Neue Mitte - Gemeindezentrum in Graal-Müritz wurde eingeweiht
"Hier sind noch Fensterbretter frei", lud Pastor Andreas Timm die vielen Stehenden ein. Die Sitzplätze reichten trotzdem längst nicht für alle. Bei schönstem Winterwetter waren rund 250 Graal-Müritzer und viele Gäste - auch aus der Partnergemeinde Hamburg Nienstetten - gekommen, um am letzten Freitag mit Andacht, Kaffeetrinken und abends sogar Tanz bis nach Mitternacht ihr neues Gemeindehaus dicht bei der Kirche in Besitz zu nehmen. In das daneben stehende neu gebaute Pfarrhaus war Ehepaar Timm schon vor ein paar Wochen eingezogen.
Dieses Gemeindehaus soll "Dreh- und Angelpunkt für das Gemeinwesen vor Ort" sein, betonte Timm. Gute Erfahrungen im Miteinander mit der Kommune gab es bereits bei der Erweiterung der Feierhalle vor zwei Jahren und auch in den letzten Monaten, als die Kirchgemeinde nach dem Verkauf ihres alten Gemeindehauses (Kiz berichtete) öffentliche Räume nutzen durfte. Man hatte fast das Gefühl, Bürgermeister Frank Giese bedaure, dass Pastor Timm nun nicht mehr sein Büro im Rathaus habe. Giese nannte das Gemeindehaus "die neue Mitte des Ortes" und zitierte den Rostocker Direktor des Christopherus-Gymnasiums, Pastor Konrad Frenzel, mit "Vater Gemeinde und Mutter Kirche", die zusammen gefunden haben. Auch die katholische Gemeinde wird in das neue Haus zu ökumenischen Bibelabenden kommen, freute sich Pfarrer Tober von der katholischen St. Ursula-Gemeinde.
Das neue Gemeindehaus wird den Namen des alten tragen: Pniel, das heißt Angesicht Gottes. Landessuperintendent Matthias Kleiminger erzählte die Geschichte aus dem Alten Testament, in der Pniel vorkommt (zum Nachlesen: Gen. 32, 23-32). Pastor Mathias Dahnke - einigen noch als Banker bei der kirchlichen Spar- und Kreditbank in Schwerin bekannt - aus der Partnergemeinde Hamburg-Nienstetten kam mit dem Ehepaar Blombach, das bereits vor und 25 Jahren zur Eröffnung des ersten Pniel dabei war. Die "in die Jahre gekommene Partnerschaft" soll wieder belebt werden, im Mai wollen die Pastoren Timm und Dahnke mit Konfirmanden paddeln fahren.
Im Frühjahr wird das Außengelände gestaltet werden, dafür gab es von der "Strandperle" Gutscheine für Pflanzen. Und auch die erste Bank, die draußen zum Sitzen einladen wird, wurde von Mitarbeitern des Förderzentrums pünktlich zur Einweihung übergeben - weitere, auch für den Friedhof, sollen folgen.
Kirchgemeinde und Architekt Gottreich Albrecht aus Schwerin freuen sich, dass die Kosten leicht unter den vorgesehenen 900 000 Euro geblieben sind.
Ob nun im Winter die Gottesdienste im neuen Gemeindehaus gefeiert werden oder weiter in der sehr kalten Kirche, beschloss der Kirchgemeinderat nach Redaktionsschluss am Dienstagabend.